„Wie viel von mir möchte ich preisgeben?“

– 05/2024 –

 
Mir geht es gerade um folgende fragwürdige Angelegenheit: Wenn wir (online) Position zu etwas beziehen, unsere Meinung äußern, bleibt oft kaum Spielraum, diese Meinung zu ändern. Manchen bereitet das kaum Kopfzerbrechen. Ich finde aber, dass es mich einengt. 

Sandra Waindok
Liebe Leserin, lieber Leser,

in einer Zeit, in der immer gleich alles gepostet wird, Informationen nur einen Klick weit entfernt sind und jeder zu allem eine Meinung hat, stelle ich mir diese Frage sehr häufig. 
Ich will gar nicht so sehr auf den Datenschutz hinaus oder auf die erschreckend echt wirkenden Manipulationen, die aus Foto- und Tonaufnahmen mithilfe von Bildbearbeitung und KI (Künstliche Intelligenz) angefertigt werden können. 

Mir geht es gerade um folgende fragwürdige Angelegenheit: Wenn wir (online) Position zu etwas beziehen, unsere Meinung äußern, bleibt oft kaum Spielraum, diese Meinung zu ändern. Noch viele Jahre später finden wir mit den passenden Suchbegriffen diese Aussagen wieder. Manchen bereitet das kaum Kopfzerbrechen. Ich finde aber, dass es mich einengt. Andauernd muss ich mir die Frage stellen, wie ich gesehen werden möchte. Ob das, was ich heute denke, meinem Zukunfts-Ich vielleicht schaden würde oder ob das, was ich teile, nur eine verzerrte Version von dem widerspiegelt, was ich bin. Und: Will ich überhaupt, dass mich fremde Personen so nah kennenlernen?

Und dann steht da die Zusage von Gott: „Ich habe dich zuerst geliebt“ (nach 1. Joh 4,10). „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt“ (Jer 1,5).

Und das macht mir keine Angst. Es beruhigt mich. Gott kennt mich ganz und gar. Mit allem was mich ausmacht. Ich bin sein Kind und bleibe es auch, wenn ich Fehler mache oder meine Meinung ändere. Seine Liebe steht am Anfang. 

Gott verzeiht – das Internet nicht. 
 
Sandra Waindok
Gemeindereferentin